Der Brückenentwurf wählt den Bogen als ästhetische Grundlösung
für die Überspannung eines Gewässers. Als Variante dieser
Grundtypologie werden zwei in sich gerade Bögen verwendet,
die gegeneinander gekippt sind.
Die Bögen stützen sich in der Mitte der Brücke durch
die statische Koppelung gegeneinander ab und stabilisieren
sich. Die Kräfte gleichen sich aus. Die in der Längsansicht
wahrnehmbare Profilhöhe des Bogens kann gegenüber den
Ursprungsvarianten mit einem Bogen von 500 mm auf 200
mm verringert werden. Die äußere Ansicht beträgt nur
noch 100 mm.
Die Verbindung des Bogens mit der Fahrbahn erfolgt über
das Prinzip der „Spanten“ wie im Bootsbau. Diese Haupstruktur
setzt sich vertikal bis in die Geländerholme fort. Die
Fahrbahn erhält eine an die Geländetopografie angepasste
Krümmung, die frei vom Krümmungsverlauf des Bogens ausgeführt
werden kann. Die Spanten werden als flache Scheiben
ausgeführt, die in der Seitenansicht die Brücke wie
ein Netz überziehen.
Die Konstruktion verwendet keine Hohlprofile und besteht
ausschließlich aus massiven Stahlkonstruktionen. Das
Ergebnis ist ein aufgelöstes Tragwerk, dass in seiner
Reduktion auf drei Hauptelementen den formalen Ausdruck
der Brücke bestimmt und durch seine Eleganz und Schlankheit
besticht. Die „Brückenspanten“ verändern durch die sich
im Grundriss zur Brückenmitte hin annähernden Bögen
kontinuierlich ihre Form. Auf diese Weise wird aus geraden
Einzelteilen (Spanten, Geländer) in der Reihung ein
doppelt gekrümmtes, sanft geschwungenes Volumen der
Brücke geschaffen.
Die Formensprache der extrem dünnen, flächigen Bauteile,
die je nach Blickrichtung die Sicht freigeben oder verschließen,
wurde bis in das Geländer fortgeführt, dass ausschliesslich
aus Flachstahl besteht.
Baudaten Neubau Fußgängerbrücke Veringkanal
Ort: Hamburg-Wilhelmsburg
Bauherr: Landesbetrieb
Straßen, Brücken und Gewässer
Entwurf: Michael Blunck, Henning Rose
Tragwerksplanung: WKC
Hamburg GmbH
Bauvolumen: ca. 1,5 Mio Euro
Planung: 2010
Fertigstellung: Anfang 2012